4 Gründe, warum Du Dein Kind nicht bestrafen solltest

Du bittest Dein Kind mehrfach, nicht in der Wohnung Ball zu spielen und nun ist ein Glas zu Bruch gegangen. Du bist richtig sauer und enttäuscht, denn Dein Kind hat sich nicht an die Vorgabe gehalten und es ist eingetreten, was Du befürchtet hast.

Was machst Du nun? Es ist ja eindeutig, dass es sich im vollen Bewusstsein gegen Deinen Willen widersetzt hat. Dir ist wichtig, dass es so eine Situation nicht mehr geben wird und Dein Kind daraus lernen soll!

Vielleicht kommt Dir in den Sinn, dass Du nun etwas verbieten könntest, was das Kind gerne macht (Fernsehen, Süßigkeiten Essen, mit Freunden treffen). Aber ist das wirklich der richtige Schritt?

Viele von uns haben in der eigenen Kindheit erfahren, dass Strafen wichtig sind, um gewisse Regeln im Leben zu verstehen. Sie werden oft dann ausgesprochen, wenn wir uns nicht in der Lage sehen, Situationen auf andere Weise zu klären. Hier möchte ich Dir zeigen, warum Strafen nicht gut, sondern sogar schädlich sind:

1. Sie sorgen für ein Machtgefälle

– Eine Strafe ist immer von oben nach unten – diese Form der Kommunikation ist demütigend und beschämend. Hierbei wird die Überlegenheit des Erwachsenen demonstriert und das Kind fühlt sich hilflos und verletzt. Es hat keine Möglichkeit, aus dieser Situation gestärkt herauszukommen.

2. Sie sind langfristig gesehen wirkungslos

– Kurzfristig gesehen mag eine Strafe funktionieren. Das Kind wird unter Umständen das bestrafte Verhalten nicht noch einmal zeigen. Aber die Motivation dahinter ist lediglich die  Angst vor der Strafe oder dem Zorn der Eltern. Mittel- und langfristig gesehen wird das Kind allerdings Wege finden, dass die Eltern entweder nichts mitbekommen oder sie stumpfen diesbezüglich ab. Das heißt, die Strafe verliert ihren Abschreckungseffekt.

Der erwünschte Lerneffekt (reflektieren und verstehen) findet in dieser Form nicht statt, das das Kind den Fokus auf die Strafe richtet.

3. Sie schaden der Beziehung

– Die Kinder lernen mit der Zeit, dass es Dinge gibt, die sie den Eltern lieber nicht sagen. Schon durch das Androhen einer Strafe entsteht ein Eltern-Kind-Konflikt. Sie verlieren das Vertrauen und den Respekt. Denn das, was frühere Generationen unter Respekt verstanden haben, ist eigentlich nichts anderes als Angst.

4. Strafen schaden der psychischen Gesundheit!

– Strafen wirken sich nachweislich negativ auf die psychische Gesundheit und den Selbstwert des Kindes aus. Denn wenn Eltern ihre Kinder bestrafen, ist es Ausübung von Gewalt, denn auch psychische Gewalt ist schädlich für die Entwicklung des Kindes.
Darüber hinaus erzeugt die Situation eine neurologisch gesehen zu einem „fight or flight“ Modus der den Körper unter Stress setzt und Stress ist nachweislich kein Zustand in dem wir etwas Lernen.

Aber warum ist es für viele unvorstellbar, auf gewisse Situationen ohne Strafe zu reagieren?

Dies liegt zum einen daran, dass die meisten von uns in der Kindheit genau das erfahren haben und von ihren Eltern vermittelt bekommen haben, dass es „notwendig“ war, sie es „provoziert“ und sogar „verdient“ hatten.  

Zum anderen fehlt uns vielleicht einfach eine alternative Idee, wie wir in so einer Situation reagieren könnten.

Wir alle wollen unsere Kinder bestmöglich auf ihr Leben vorbereiten und hoffen natürlich, dass sie die gesellschaftlichen Regeln kennenlernen und verstehen. Sobald ein Kind nun aus dem Muster fällt, klingeln unsere Alarmglocken, wir haben Angst, etwas Grundlegendes falsch gemacht zu haben und wünschen uns einen schnellen Weg aus dieser Situation heraus.

Doch der schnelle Weg ist nicht immer der Beste. Wenn wir uns statt einer Strafe für ein Gespräch auf Augenhöhe entscheiden, und erklären, was für uns warum nicht OK ist, hat das Kind die Chance, über Verständnis und Vertrauen zu lernen. Im Gespräch können wir die verschiedenen Möglichkeiten gemeinsam besprechen, ohne Verurteilung und Abwertung. Und erinnern wir uns selbst daran, dass auch wir Erwachsene nicht fehlerfrei sind, aber wir sind in der Lage, aus unseren Fehlern lernen zu können und beim nächsten Mal anders zu handeln.  

Im oben genannten Beispiel könnten wir unserem Kind sagen, wie wir uns fühlen, dass wir sauer sind, dass das Glas nun kaputt ist. Es hat Geld gekostet und die Scherben müssen nun weggeputzt werden. Und dann können wir das Kind auch fragen, was es nun denkt, was wir nun tun können. Vielleicht wird es freiwillig sauber machen, vielleicht merkst Du ihm auch schon an, dass es sich unwohl fühlt. Durch das Auflösen der Situation und dem Aufzeigen der verschiedenen Möglichkeiten kann es lernen, was es heißt, seine Fehler einzusehen und dafür gerade zu stehen. Vielleicht wird es sich auch fest vornehmen, künftig nur noch draußen Ball zu spielen.

Als Menschen sind wir es gewohnt vertraute Muster zu wiederholen, aber hier lohnt es sich, umzudenken! Für unsere Kinder und ein friedvolles Miteinander. Manchmal hilft es auch, sich vorzustellen, wie so eine Situation in anderem Kontext ablaufen würde. Also z.B., wenn es sich nicht um die eigenen Kinder handelt oder auch um Erwachsene. In diesen Fällen würde man sicher auf eine viel respektvollere, konstruktivere Weise kommunizieren und nach friedlichen Lösungen suchen.

Wenn wir unseren Kindern ein Wegweiser sind, können sie den Weg irgendwann allein gehen.

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