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So stärkst du den Selbstwert deines Kindes

Veröffentlich
7.2.25
Leonie Ries
Autor

In dieser Folge geht es darum wie du den Selbstwert deines Kindes nachhaltig stärken kannst.„Hier bekommst du ein Gefühl dafür, wie wichtig bedingungslose Anerkennung und positive Kommunikation zu einem gesunden Selbstwert deines Kindes beitragen. Darüber hinaus erfährst du, wie wichtig es ist, dass du selbst als Elternteil deine Stärken erkennst und schätzt. Du erfährst wie entscheidend es ist, dass Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem Fehler als Lernchance betrachtet werden und sie sich sicher und akzeptiert fühlen. In dieser Folge erhältst du viele praktische Tipps, wie du als Elternteil deine Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen und ein gesundes Selbstwertgefühl fördern kannst. Viel Spaß mit dieser Folge, und wie immer freue ich mich über dein Feedback!“

Wie siehst du den Selbstwert deines Kindes?

Wie siehst du dein Selbstwertgefühl, wenn du weißt, dass dein Kind Radschlagen gelernt hat? Und wie siehst du dein Kind, wenn du weißt, dass es gerade eine Scheibe eingeschlagen hat? Beobachte mal deine Gedanken dabei! Dein Kind ist jedes Mal das gleiche Kind und hat den gleichen Wert.

Frage aus der Community:

Heute hat mich wieder eine Frage aus der Community erreicht: „Wie stärke ich das Selbstbewusstsein meines Kindes, wenn es schnell aufgibt und sagt: ‚Das kann ich nicht, das klappt nicht.‘“

Ich finde, beim Thema Selbstbewusstsein sollten wir uns die einzelnen Begriffe genauer anschauen: Was ist eigentlich Selbstbewusstsein? Was ist Selbstvertrauen? Was ist Selbstwert? Und was ist Selbstwirksamkeit?

Ich glaube, dass es in diesem Fall sein kann, dass dein Kind nicht an seinen Selbstwert glaubt, bzw. dass es glaubt, sein Wert sei abhängig von der Meinung anderer und davon, ob etwas gelingt oder nicht. Das ist ein enormer Unterschied.

Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstwert und Selbstwirksamkeit

Unter Selbstvertrauen verstehe ich, dass ich selbst vertraue, dass ich bestimmte Fähigkeiten habe und dass ich darauf vertraue, dass meine Gefühle richtig und gut so sind, wie sie sind. Dass ich darauf vertraue, dass das, was ich wahrnehme und fühle, der Wahrheit entspricht.

Selbstbewusstsein bedeutet: „Ich bin mir meiner selbst bewusst.“ Ich weiß, was mich ausmacht, welche Fähigkeiten und Stärken ich habe, welche Kompetenzen ich besitze. Du siehst, hier gibt es viele Feinheiten.

Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ein Mensch sich darüber bewusst ist, welche Wirkung er auf andere Menschen und auf seine Umwelt hat – aber auch auf sich selbst.

Selbstwert unabhängig von Leistungen

Wir meinen häufig, dass wir den Selbstwert unseres Kindes stärken, indem wir viel positive Bestärkung schenken und Dinge hervorheben, die unser Kind gut kann. Das stärkt jedoch nicht unbedingt das Selbstbewusstsein.

Es tut natürlich gut und sorgt dafür, dass wir stolz auf etwas sind, was wir erreicht oder geschafft haben. Aber unser Selbstwert ist unabhängig davon, ob wir etwas schaffen oder nicht. Wir machen uns oft abhängig von der Meinung und Bewertung anderer.

So ist es auch bei deinem Kind: Wenn wir ständig in Interaktion gehen und Dinge, die das Kind gut kann, hervorheben und es bewerten: „Du kannst gut klettern!“ oder „Du bist gut im Lesen!“, dann macht sich dieses Kind in seinem Stolz und Wohlbefinden von dieser Bestärkung – und vor allem von dieser Bewertung – abhängig.

Das Kind ist wertvoll, egal was es tut

Ein Kind, das es nicht schafft, den Baum hochzuklettern oder nicht flüssig lesen kann, ist trotzdem wertvoll und genauso gut, wie es ist.

Es gab auch Studien, die zeigen, dass Kinder, denen nach einer Aufgabe gesagt wurde, sie hätten diese gut gelöst, sich danach weniger angestrengt haben als Kinder, denen Rückmeldungen zu ihrer Art und Weise gegeben wurden, wie sie an die Aufgabe herangegangen sind. Diese Kinder haben sich bei der nächsten Runde viel mehr angestrengt und bessere Leistungen gezeigt. Genau das wirkt sich auf die Selbstwirksamkeit aus: Wir wissen, dass wir uns Dinge aneignen können, dass wir Lösungen finden können, ohne gleich alles zu wissen.

Die Bedeutung von Wahrnehmung und Rückmeldung

Auch wichtig ist, dass du schaust: Möchte das Kind das überhaupt können? Und dann einen Weg zu finden.

Ein Punkt zum Thema Selbstbewusstsein: Wenn ein Kind weint und wir sagen: „Das ist doch nicht so schlimm“ und „Das passiert doch öfter“, lernt das Kind nicht, dass es sich auf seine eigene Wahrnehmung verlassen kann. Es lernt, dass das, was es fühlt, nicht der Wahrheit entspricht.

Wahrheit ist für jeden individuell. Wir müssen nicht verstehen, warum das Kind weint. Wir können es einfach wahrnehmen und sehen, indem wir zurückmelden: „Für dich war das jetzt schlimm.“ Oder: „Du hast dich jetzt erschreckt! Du bist jetzt traurig.“ Diese Rückmeldungen geben dem Kind das Gefühl, dass das, was es wahrnimmt, richtig ist.

Das Beispiel des Fünfzigeuroscheins

Vielleicht kennst du das Beispiel mit dem Fünfzigeuroschein: Ob er eingerissen, schmutzig oder zerknittert ist – er ist genauso viel wert wie ein tadelloser Fünfzigeuroschein. So ist es auch bei uns Menschen: Egal, ob wir auf der Straße leben oder Olympiasieger sind, wir sind gleich viel wert.

Deshalb kommt es darauf an, dass du bei deinem Kind weniger auf seine Ergebnisse eingehst, sondern auf den Prozess dorthin. Wenn dein Kind z.B. ein Bild malt, kannst du statt auf das Bild einzugehen, es fragen: „Wie war es für dich, zu überlegen, was du darauf malst? Wie hast du die Farben ausgesucht? Welche Freude hast du beim Malen gehabt?“

Ein Buch beurteilen wir ja auch nicht nach dem letzten Satz, sondern nach dem ganzen Buch mit seiner Botschaft und Geschichte.

Der richtige Umgang mit Fehlern

Wenn ein Kind sagt: „Ich kann das nicht!“, dann unterteile die Aufgabe in kleine Schritte. Zum Beispiel beim Einräumen der Spülmaschine: „Okay, dann räume erstmal den Teller hierhin und dann das Besteck.“

Und ganz wichtig: Eine Fehlerakzeptanz entwickeln – und fang hier bei dir selbst an! Wie gehst du mit dir um, wenn du Fehler machst? Wie redest du mit dir selbst, auch vor den Kindern? Viele Eltern glauben, sie dürften keine Fehler zeigen. Ich glaube, das ist genau das Falsche. Kinder können nur lernen, dass Fehler okay sind, wenn sie sehen, dass wir auch Fehler machen, sie annehmen und daraus lernen.

Das Vorbild sein

Beobachte dich, wie du mit deinem Kind umgehst, wenn es Fehler macht. Wenn es eine Vase umwirft oder ein Fenster zerbricht, kann es jederzeit ohne Angst zu dir kommen? Und wie siehst du dein Kind, wenn es gelernt hat, ein Rad zu schlagen? Dein Kind ist jedes Mal dasselbe Kind und hat den gleichen Wert.

Wenn etwas kaputt gegangen ist, können wir dafür Verantwortung tragen. Wir schauen, wie wir es reparieren oder wie wir das Geld auftreiben, um es zu reparieren. Aber wenn wir den Fokus darauf richten, dass es jetzt „schlecht“ oder „falsch“ war, fühlen wir uns selbst klein und eingeschränkt in unserem Selbstwert.

Selbstwert und Selbstbild: Ein Vorbild sein

Wie siehst du deinen Selbstwert? Fühlst du dich genauso gut, wenn die Wohnung sauber ist und alles läuft, wie an einem Tag, an dem alles chaotisch ist und die Wohnung unaufgeräumt? Sei ein Vorbild an deinem eigenen Beispiel.

Förderung der Selbstwirksamkeit deines Kindes

Wenn dein Kind sagt, es kann etwas nicht, frag dich: Was braucht es an Unterstützung? Es zu fragen: „Was würde passieren, wenn du es nicht schaffst? Was passiert, wenn du jetzt scheiterst?“

Da auch spielerisch ranzugehen, kann hilfreich sein. Du könntest sagen: „Wir probieren das jetzt einfach aus! Wir üben es jetzt zwei bis drei Wochen lang, jeweils zehn Minuten am Tag, und dokumentieren den Fortschritt, indem wir ein Video drehen. Du und dein Kind werdet erstaunt sein, was alles möglich ist!“

Gespräch mit deinem Kind

Oder auch wirklich ins Gespräch gehen, mit deinem Kind, ihm wirklich zuhören, was es sagt. Wenn es sagt: „Alles ist doof, ich kann das nicht“, versuche mal, nicht sofort alles zu beschwichtigen. Frag dann: „Was glaubst du, warum du es nicht kannst? Was gibt dir das Gefühl, dass du es nicht schaffst?“

Über so ein Gespräch kann sich ein tolles Gespräch entwickeln. Und vielleicht gab es schon etwas, wo dein Kind dachte, es würde es nicht schaffen, und es dennoch geschafft hat. Was hat ihm dabei geholfen? Wie war es für das Kind? Was war da anders? Was hat ihm geholfen, es zu schaffen und immer wieder dran zu bleiben?

Abschließende Gedanken:

Zusammengefasst: Den Wert des Kindes nicht an seinem Können festzumachen, sondern an seinem Selbst. Es zu sehen, so wie ein neugeborenes Kind, das nichts kann, und wir dennoch so berührt davon sind, es im Arm zu halten. Uns selbst genauso zu sehen – ob laut, leise, groß, klein, sportlich, langsam oder schnell in der Entwicklung. Wir brauchen diese Vielfalt.

Es geht darum, sich auf das zu fokussieren, was wir können, und nicht auf das, was wir noch nicht können. Was wir nicht können, können wir erlernen. Und das Kind lernt, dass das, was es fühlt und wahrnimmt, richtig ist, so wie es ist. Dass es für alles Wege gibt.

Das Allerwichtigste: Wie siehst du deinen Selbstwert? Wie siehst du dein Kind? Vielleicht wünschst du dir, dass dein Kind Dinge kann, weil es wichtig für dich ist und weil du es liebst. Jedes Kind macht seine eigenen Erfahrungen auf dieser Welt. Wenn du es so siehst, wie es wirklich ist, fällt es deinem Kind auch leichter, sich so anzunehmen, wie es ist.

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Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.